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Leider geht Bolivien mit seinem Naturparadies nicht sorgsam um.

Das Thema Umwelt wird in Bolivien viel diskutiert. Einerseits von der Regierung, die sich als Schützerin von Mutter Erde betrachtet, anderseits aber auch von einem kleinen, sagen wir mal alternativen Kreis von Kritiker_innen (siehe auch Beitrag vom 9. Februar). Miguel Angel Crespo, Direktor von Probioma, fasste am gestrigen Forum zum Thema «Auswirkungen der Agrarindustrie auf die Umwelt»  zusammen, wie Bolivien in Sachen Agrochemikalien dasteht.

Trotz des Diskurses der Regierung, den Umweltschutz politisch zu verankern, ist Bolivies Landwirtschaft immer noch sehr extraktivistisch. Vor allem Soja, aber auch Mais, Zucker etc. werden in grossem Stil angebaut, und zwar unter massivem Einsatz von Chemie, vor allem in Form von Pestiziden gegen Insektenbefall. Und dies, obwohl damit nicht nur Boden, Wasser und Luft massiv verschmutzt oft irreparable Schäden angerichtet werden, sondern  die Giftstoffe auch erhebliche Auswirkungen auf den Menschen haben. Bolivien ist eins der Länder mit der grössten Artenvielfalt des Planeten, doch anstatt sie zu schützen, richtet es sie langsam zu Grunde. Absurderweise ist der grösste Teil der landwirtschaftlichen Produkte für den Export bestimmt, während Nahrungsmittel für die eigene Bevölkerung importiert werden, und zwar nicht allzu günstig: 63 Prozent ihres Lohnes geben Bolivianer_innen im Schnitt für Lebensmittel aus, während in der Zeit der Sojaernte 1000 Lastwagenladungen pro Tag das Land verlassen und ins Ausland verschifft werden. Es geht also nicht darum, das Land zu ernähren, sondern um einen möglichst hohen Ertrag beim Verkauf. Weltweit gesehen ist Bolivien jedoch mit 0,5 Prozent ein so unbedeutender Soja-Lieferant , dass es sich betreffend Nachfrage und Preis nach den Käuferländern richten muss. Und auch die Kontrolle über Saatgut sowie Pestizide werden bekanntlich von wenigen Megakonzernen wie Monsanto, Syngenta etc. kontrolliert.

 

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Die Verwendung von Pestiziden ist in den letzten Jahren enorm angestiegen.

Der Teufelskreis betreffend Chemie besteht darin: Je mehr Pestizide verwendet werden, desto mehr resistente Arten bilden sich – und um diese zu bekämpfen, werden noch mehr oder noch stärkere Mittel verwendet. Inzwischen liegt der Wert bei 36 Kilogramm Chemie, die pro Hektar Land verwendet werden. Die Folgen sind verheerend: 39 Prozent des Wassers sind in Bolivien durch Agrochemie verschmutzt, in Santa Cruz sind es sogar 63 Prozent. Von offizieller Seite wird immer wieder behauptet, die Pestizide seien für den Menschen unschädlich, doch die erschreckend grosse Verbreitung von Krankheiten wie Diabetis oder Krebs lässt immer mehr Leute daran zweifeln. Dies ist auch der Grund, warum die Arbeitsgruppe «Klimawandel und Gerechtigkeit» (Grupo de Trabajo Cambio Climático y Justicia GTCCJ), an der auch «meine» Organisation beteiligt ist, zurzeit an einer Studie arbeitet, um am Beispiel von vier Gemeinden von Santa Cruz den direkten Zusammenhang von Ernährung und Krankheiten nachzuweisen. Denn die Mehrheit der Bevölkerung glaubt nicht daran, dass die Nahrungsmittel, die sie auf dem Markt kaufen, teilweise tatsächlich gefährliche Gifte enthalten. Das Herbizid Paraquat zum Beispiel – von Syngenta entwickelt und inzwischen als krebserregend klassifiziert – ist in der Schweiz und in der EU verboten, genau so wie in vielen Ländern Lateinamerikas, doch in Bolivien wird damit munter gewirtschaftet, und zwar ohne Schutzmassnahmen – Konsument_innen genau so wie Produzent_innen sind dem Stoff also gleichermassen ausgesetzt. Giftlos versorgen kann man sich mittlerweile von Bio-Bauernhöfen (siehe Beitrag vom 28. März – ich merke gerade, das Thema wiederholt sich), aber eben: Es steht noch sehr viel Sensibilsierugnsarbeit an, um ein Bewusstsein für dieses Problem zu schaffen.

 

 

 

 

 

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