Inti Raymi

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Letzte Nacht feierten die Aymara-Indigenen «Inti Raymi», das «Fest der Sonne», Wintersonnwende und den Beginn des neuen Jahres. An verschiedenen Stätten im Land durfte man der Zeremonie beiwohnen, die Quechua-Schamanen in der Morgendämmerung des 21. Juni durchführen, und die magische Energie der Sonne in sich aufnehmen. Ich habe das Glück, vom wohl eindrücklichsten Inti-Raymi-Schauplatz Boliviens nur drei Stunden entfernt zu wohnen – dem Inkaheiligtum in Samaipata. Auf knapp 2000 Metern liegt die alte Kultstätte, UNESCO-Weltkulturerbe, von der man nicht genau weiss, wer sie ursprünglich zu einer solchen geweiht hat. Sicher ist, dass Schamanen diverser Kulturen in verschiedenen Epochen die riesigen Felsen für Rituale und Zeremonien benutzt haben – eingraviert sind unter anderem die Figuren einer Schlange, eines Jaguar und eines Pumas.

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An diesem Ort, an dem die Energien von Jahrtausenden spürbar sind, das wichtigste Aymara-Fest des Jahres zu feiern, war so eindrücklich, dass weder Worte noch Fotos die Stimmung wiedergeben können, die heute früh um halb sechs herrschte, als hunderte von Menschen nach einer durchwachten Nacht am Feuer in der noch stockfinsteren Kälte auf den Gipfel stiegen, um den Sonnenaufgang zu erwarten. Mehr als eine Stunde lang konnten wir beobachten, wie der Horizont langsam heller wurde, dann farbiger, und die Sonne uns schliesslich ihren ersten Strahl entgegenschleuderte, der mit ausgestreckten Händen empfangen wurde, während die Flöten und Trommeln der Schamanen die Luft erfüllten. Schnaps, Cocablätter und andere Pflanzen wurden zeremoniell verbrannt, um Mutter Erde zu danken, dass sie uns mit allem versorgt. «Todo es sagrado, y nosotros tambíen.» – «Alles ist heilig, und wir auch», dieser Satz blieb hängen und begleitete mich beim Abstieg.

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3 Kommentare

  1. Wunderbar; -wunderschön liebe Nicole: „Todo es sgardo – alles ist heilig“; -diesen einprägsamen Satz zu beherzigen würde auch uns westlichen Menschen gut anstehen!
    Saldudos cordiales y que te cuide
    Esther.

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  2. Kaum zu glauben, aber war: Auch der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli war ein Panentheist, wenn er schrieb:
    „Es gibt nichts, was nicht Gott ist. Denn er ist das Sein aller Dinge.“

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