Seit ein paar Wochen hat Bolivien eine neue Flagge. Blau wie das Meer. Kein Aprilscherz: Der Kampf um die Rückgewinnung des Zugangs zum Meer, den Chile Bolivien im so genannten Salpeterkrieg vor über 100 Jahren «weggenommen» hat, ist eins der Lieblingsthemen des bolivianischen Präsidenten Evo Morales. «Mar para Bolivia» («Meer für Bolivien») ist zu einem Slogan geworden, der schon länger als Graffiti an vielen Mauern prangt und von Vertreter_innen der Regierungspartei MAS gerne bei allen möglichen Gelegenheiten eingebracht wird.

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Gebietsverteilung vor dem Krieg. Bolivien hatte damals in dem umstrittenen Gebiet einen breiten Zugang zum Meer. Der 24. Breitengrad war die Nord-Süd-Grenze zu Chile, die «Gemeinsame Profitzone» (grün umrandet) wurde 1874 aufgelöst.

Quelle: Wikipedia

 

 

 

Die Wunde ist tief: Wegen dem Meerstreit unterhalten Bolivien und Chile seit Jahrzehnten keine diplomatischen Beziehungen mehr. Bereits 2013 ist Evo Morales bis vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gereist, um «seinen» Zugang zum Meer einzuklagen. Zurzeit wird dort über den Fall verhandelt – die Gelegenheit, um der Meeres-Kampagne noch mehr Gewicht zu verleihen: Mehr als 20’000 Angehörige von Polizei und Militär trugen im März 200 Kilometer Stoff, bestehend aus je 10 Meter langen Meeres-Flaggen, durch La Paz.

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© picture-allicance/Ap Photo/J. Karita

 

Ab sofort gilt diese neue Flagge als offiziell und unter anderem jede Tankstelle des Landes ist verpflichtet, sie aufzuhängen. Nebst viel, viel Blau enthält die Flagge die Nationalfarben rot, grün und gelb sowie die Wiphala – die Flagge der indigenen Völker – sowie zehn Sterne: einen für jedes der neun Departemente des Landes, und einen für das Stück Land, das Chile bitteschön wieder zurückgeben soll.

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Tankstelle zwischen Rurrenabaque und Yucumo (Beni).

 

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Hochhaus in La Paz

 

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