Kurze bolivianische Anekdote: Vor ein paar Wochen hat ein Schuldirektor in Cochabamba Evo Morales mit «señor presidente» («Herr Präsident») angesprochen, worauf er von selbigem getadelt wurde. Er sei nicht mit «señor» anzusprechen, sondern mit «hermano» (Bruder) oder «compañero» (Genosse). «Ein Herr sind Sie», sagte er zum Direktor, «Sie mit Ihrer Krawatte, ich dagegen bin Teil des Volkes.» So weit so schön eigentlich, während der türkische Staatschef Tayyip Erdogan heute während seiner «Amtseinführung» zu einem Journalisten sagte, man müsse ihn ab sofort mit «Herr Präsident» ansprechen, weil er ja nun Präsident der Türkei sei – seit den fragwürdigen Wahlen vom 24. Juni ist er gleichzeitig Staats- und Regierungschef des Landes und hat damit die gesamte exekutive Macht inne. Das Amt des Ministerpräsidenten wurde abgeschafft.

Doch was so sympathisch beginnt, endet leider in Bolivien oft mit einem Dämpfer. Diesmal, indem Evo dem Schuldirektor vorwarf, er hätte ihn mit seiner Anrede als «señor» beleidigt und müsse deshalb nun eine Strafaufgabe erledigen. «Kaufen Sie sich ein Schulheft mit 100 Seiten und schreiben Sie ‹hermano presidente› oder ‹compañero presidente› hinein. So wird Ihnen vergeben. Verstanden?»

Quelle (mit Tonaufnahme): http://www.lostiempos.com/actualidad/pais/20180626/evo-reclama-director-decirle-senor-morales-pide-que-le-llame-hermano

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