Der 1. August hat mich bisher nie interessiert. Doch seit ich nicht mehr in der Schweiz lebe, habe ich realisiert, dass es der wichtigste Feiertag überhaupt ist. Der heiligste Tag des Jahres. Am 1. August gedenken wir der Kraft, die unserem gesamten Leben zu Grunde liegt. Ohne die wir nicht existieren würden. Es ist ein Tag der Dankbarkeit, aber auch der Besinnung: Der 1. August ist der Tag von Pachamama. Heute und den ganzen Monat August lang ehren die indigenen Völker in Bolivien, Peru und anderen Ländern von Abya Yala (Lateinamerika) Mutter Erde, ihre Geschenke, ihre Kraft und ihre Liebe. Es ist die Zeit, in der der Südwinter langsam zu Ende geht und die Erde wieder aufwacht. Die Zeit von Saat und Ernte beginnt.

Pachamama ernährt uns und erhält uns am Leben. Dafür sind wir uns ab und zu dankbar. Doch wenn wir uns für einen Augenblick daran erinnern, dass der Mensch nicht das Zentrum des Universums ist, sollte uns auffallen, wie anmassend es ist, den Wert des Planeten daran zu messen, wie nützlich er uns ist. Natürlich, wenn wir vom «Planeten» sprechen, beziehen wir uns auf einen Brocken Gestein, der durchs All rast, und es scheint vertretbar, dass wir uns seiner «Ressourcen» bedienen. Doch Pachamama ist mehr als ein Brocken Gestein. Pachamama ist ein wunderbares, anbetungswürdiges Lebewesen. Pachamama ist ein Teil von uns, und wir sind ein Teil von ihr. Wenn wir Wunden in ihren Körper reissen, fügen wir uns selbst Schmerzen zu – nur merken wir es viel zu spät.

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2018 ist der 1. August auch der Welterschöpfungsstag: der Tag des Jahres, an dem der Verbrauch der natürlichen Ressourcen die Kapazität der Erde zur Regenerierung bzw. Reproduktion übersteigt. Der Tag kommt jedes Jahr früher. 1990 war er am 7. Dezember, 2000 am 1. November, 2010 am 21. August. Doch dies ist der weltweite Mittelwert – würden alle so leben wie die Schweizer_innen, wäre der Tag dieses Jahr bereits am 7. Mai. Die Peruaner_innen überschreiten die Grenze von Pachamamas Belastbarkeit am 25. September, die Vietnames_innen am 21. Dezember. – – – Wenn alle so leben würden wie die Bevölkerung der USA, bräuchten wir fünf Erden, um unsere «Bedürfnisse» zu sättigen. Die Schweiz verbraucht knapp drei Erden, Indien nicht mal eine.

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