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Santa Cruz ist zwar eine riesige Stadt mit viel Verkehr und wenig Grünflächen, aber wenn man nur eine Stunde aus dem Zentrum rausfährt, befindet man sich schon inmitten von Feld und Wald. Meine begeisterte Aufregung, wenn ich ein Faultier, einen Affen oder einen tropischen Vogel sehe, löst in meinem bolivianischen Umfeld jeweils viel Heiterkeit aus. «Bei uns im Garten lebt auch eine Affenfamilie», sagte kürzlich eine Bekannte, die am Stadtrand lebt, «die haben sich da eingenistet.» Das ist hier etwa so selbstverständlich wie wenn man in Zürich-Seebach vom Fenster aus Eichhörnchen beobachten kann. Süss und unterhaltsam, aber keine Sensation. Für mich sind halt aber Affen in freier Wildbahn genau das, und meine atemlosen Berichte im Stil von «In den Bäumen da hinten gibt es Affen!!!» kommentieren meine Kolleginnen und Kollegen nur mit einem Schulterzucken und einem nebenbei geäusserten «Ja klar.»

Santa Cruz ist umgeben vom amazonischen Regenwald sowie von landwirtschaftlich genutzten Zonen – Natur pur und ein wahres Paradies für den Anbau von Gemüse und Früchten, die mich in ähnliche Begeisterung versetzen wie die Affen: Von Mangos, Papayas, Sternfrüchte und Babybananen kenne ich zumindest Namen und Aussehen, durch den der Rest des Sortiments lädt ein, um sich genüsslich durchzuprobieren. Wunderbar, dass es in der Nähe meines Wohnquartiers einen grossen Markt gibt, auf den die Bäuerinnern und Bauern mit ihren vollgepackten Lastwagen direkt aus den umliegenden Dörfern fahren, ihre Ware ausladen und praktisch am Tag der Ernte verkaufen. Da hatte ich in meinen ersten Wochen nicht genug Hände, um all meine Errungenschaften nach Hause zu tragen. Von Simone Dollinger, die als Fachperson für Comundo in La Paz tätig ist und bei deren Familie ich meine erste Woche im Land verbringen durfte, wusste ich, dass es ein spezielles Obst-und-Gemüse-Abwaschmittel gibt – man legt diese ein paar Minuten ein und spült sie nachher gut ab, hiess es. Abgesehen davon, dass die Existenz eines solchen Abwaschmittels natürlich praktisch ist, weckte diese Tatsache allerdings damals schon die skeptische Überlegung, warum dies überhaupt nötig ist. Die Antwort erhielt ich in direkterer Form, als mir lieb war, allerdings auch gleich zusammen mit einer Lösung:

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Auf dem Biohof von Ceasip wird ökologisch angebaut.

In einer Arbeitsgruppe, die zu Themen wie Klimawandel, bewusster Konsum und alternative Entwicklung diskutiert, sich alle sechs Wochen bei meiner Partnerorganisation Acovicruz trifft und aus Mitarbeiter_innen verschiedenster lokaler Organisationen besteht, erfuhr ich, dass alles, was ich auf dem Markt kaufe, im höchsten Grad mit Chemikalien versetzt ist. Die Richtlinien für den Einsatz von Pestiziden sind im Vergleich zur Schweiz relativ locker – und doch kommen sogar noch solche zum Einsatz, die so übel sind, dass sie sogar hier verboten sind. Das Abwaschmittel war also aus der reinen Notwendigkeit entstanden, kein Gift zu essen. Und dahin war meine Marktromantik.

Die gute Nachricht ist jedoch: Es bilden sich immer mehr kleine Initiativen und Biohöfe, die ohne Chemie natürlich produzieren und sogar wöchentliche Warenkörbe nach Hause liefern. Ist natürlich teurer als der Einkauf auf dem Markt, aber ganz abgesehen vom gesundheitlichen Riesenvorteil können sich solche Initiativen natürlich nur erhalten, wenn sich genügend Abnehmer_innen finden – zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen also! Auf diese Weise isst man ausserdem immer das, was gerade Saison hat, im Moment Auberginen, Spargeln, Spinat, Tomaten und grüne Peperoni. Diesen Samstag hätte «mein» Biohof Tag der offenen Tür, aber «leider» werde ich nicht hingehen – und Originalfotos liefern – können, da ich zu einer nationalen Versammlung des Netzwerks der «Komitees für Partizipation und Bürgerkontrolle» nach Trinidad reisen darf – aber das ist wieder eine andere Geschichte. (Fotoquelle deshalb die Facebookseite der Initiative)

 

 

 

 

 

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